Frau Jenny Treibel, Theodor Fontane

29,99

Artikelnummer: 10-015 Kategorie: Schlagwort:

Beschreibung

Frau Jenny Treibel von Theodor Fontane – Hörbuch | 6 Audio-CDs
– Ungekürzte Lesung von Gert Westphal

›Jenny Treibel‹, aus einfachsten Verhältnissen kommend, eine geborene ›Bürstenbinder‹, hat es mit der Heirat des wohlhabenden Berliner ›Blau-Fabrikanten‹ ›Kommerzienrat Treibel‹ zu behaglichem Wohlstand gebracht. Ihre Lebenswelt ist längst schon nicht mehr diejenige des Materialwarenladens ihres Vaters, in der Adlerstraße, wo sie »auf einem über zwei Kaffesäcke gelegenen Brett kleine und große Düten geklebt hatte« und was ihr »jedesmal mit ›zwei Pfennig fürs Hundert‹ gut getan worden war« (Frau Jenny Treibel, in: Theodor Fontane, Romane und Erzählungen in drei Bänden, Band 2, Seite 254). Nein, Jenny Treibel hat diese einfache Welt aus weit zurückliegenden Tagen hinter sich gelassen.

Jetzt zählte etwas anderes: Jennys älterer Sohn Otto ist standesgemäß mit der finanziell gut gestellten Helene Munk verheiratet. Und auch für ihren jüngeren Sohn Leopold hatte sie anderes im Sinn. Nach außen schien Jenny ein gefühlvolles Herz, ein Herz für das ›Ideale‹, ein Herz für das ›Poetische‹  für das ›Höhere‹ zu haben. »Aber sie hat nur ein Herz für das Ponderable, für alles , was ins Gewicht fällt und Zins trägt, und für viel weniger als eine halbe Million gibt sie Leopold nicht fort, die halbe Million mag herkommen, woher sie will« (a.a.O., Seite 326).

Folgerichtig gerät Jenny so richtig in Rage, als sie von Leopold selbst erfährt, dass dieser die gescheite Professorentochter Corinna heiraten will, Corinna die doch aus bescheidenen Verhältnissen kommt, aus Verhältnissen, in denen die Schmidtsche Wohnung allenfalls vom Geruch von Rührkartoffenn und Karbonade umwabert wird. Für sie gilt fortan, alles daran zu setzen, dass dieses Vorhaben scheitert.

Beispielhaft, ironisch, kritisch und unterhaltsam stellt Theodor Fontane das ›Kommerzienrätliche‹ der Treibelei dem ›Professoralen‹ der Schmidts gegenüber. Da ist auf der einen Seite die Verlogenheit, das Phrasenhafte, Hochmütige, Lügnerische und Hartherzige des Besitzbürgertums, vertreten in der Figur Jenny Treibels, während auf der anderen Seite das Bildungsbürgertum abgebildet wird, vertreten in der Figur des Gymnasialprofessors Willibald Schmidt, dessen Tochter Corinna und ›Die sieben Waisen Griechenlands‹.

Gesamtzeit 7 Stunden 2 Minuten 22 Sekunden

Gert Westphal
Katia Mann nannte Gert Westphal einst – nach einer alljährlich stattfindenden Lesung, am 6. Juni, anläßlich des Geburtstages Thomas Manns – „des Dichters oberster Mund“. Hanjo Kesting beschreibt die Kunst und technische Meisterschaft Westphals mit den Worten: „Da ist zunächst die wohlklingende, modulationsreiche, nicht leicht ermüdbare Stimme, eine glänzende Atemtechnik, eine zugleich lebhafte und präzise Artikulation, da sind die souveränen Tempo- und Rollenwechsel und stets gutgesetzten Pausen, die kräftigen Dialektfarben und eine Charakterisierungsschärfe an der Grenze zur Karikatur-, schließlich ein untrügliches Gefühl für den Rhythmus und eine reiche dynamische Skala zwischen dem ruhigen Fluß des Epischen und dem belebten Brio szenisch-dramatischer Dialoge“ Quelle: Hanjo Kesting, ‚Des Dichters oberster Mund. Der Rezitatur Gert Westphal‘ in: Booklet zum Hörbuch ‚Buddenbrooks‘.

Gert Westphal stammte aus Dresden und erhielt dort eine Schauspielausbildung. Bald nach dem Krieg begann er beim Rundfunk seine Karriere als Hörspielregisseur und Vorleser, zunächst bei Radio Bremen, dann beim Südwestfunk. 1959 ging er als Ensemblemitglied zum Züricher Schauspielhaus. Er blieb aber auch weiterhin Vorleser, dessen Repertoire schier unübersehbar war. Seine Lieblingsautoren waren Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und Thomas Mann. Gert Westphal starb am 10. November 2002

Theodor Fontane
Theodor Fontane wurde am 30.12.1819 in Neuruppin geboren. Er stammte aus einer in Preußen heimisch gewordenen Hugenottenfamilie. Der Vater war Apotheker. Fontane besuchte das Gymnasium Neuruppin (1832) und die Gewerbeschule Berlin (1833). 1836-1840 Apothekerlehre in Berlin. Fontane gab 1849 seinen Apothekerberuf auf; er arbeitete dann mit Unterbrechung bis 1859 als freier Mitarbeiter im Büro eines Ministeriums. Er lebte von 1855-1859 in England als Berichterstatter. Von 1860 bis 1870 arbeitete er als Redakteur der Berliner „Kreuz-Zeitung“. 1870-1889 Theaterkritiker bei der „Vossischen Zeitung“. 1876 Sekretär der Akademie der Künste Berlin und freier Schriftsteller. 1894 Dr. phil. h.c. Fontane starb am 20.9.1898 in Berlin.

Theodor Fontane gilt als bedeutendster deutscher Romancier zwischen Goethe und Thomas Mann.

Versandkosten

Zusätzliche Information

Gewicht 200 g
Autor:

Theodor Fontane

Sprecher:

Gert Westphal

Genre:

Weltliteratur, Klassiker

ISBN:

978-3-8291-1567-4

Veröffentlichung:

Januar 2003

Verlag:

Deutsche Grammophon

Format:

Audio-CD

Dauer:

7 Stunden 2 Minuten

Aufnahme:

Ungekürzte Lesung

Gewicht:

ca. 250 Gramm